Auszüge aus der SILBERMOND - Pressekonferenz am 27.5.2009

Interview mit SILBERMOND am 6.12.2006

Interview mit SILBERMOND am 15.5.2005


SILBERMOND - Pressekonferenz am 27.5.2009

Bereits zum vierten Mal gastierten SILBERMOND in den Lingener Emslandhallen, davon zum dritten Mal als Hauptband. Wie in den letzten Jahren waren auch diesmal wieder MitgliederInnen der Radio-AG vor Ort. Hannah Gerling und Lisa Weßmann nahmen an der Pressekonferenz vor dem Konzert teil.
Auszüge waren am 28.5.2009 in "Zoom!" zu hören.
          

Interview mit SILBERMOND am 6.12.2006

SILBERMOND werden langsam heimisch im Emsland. Wenn man die Support-Tour für JEANETTE 2004 mitrechnet, waren sie nun bereits zum dritten Mal in den Lingener Emslandhallen zu Gast. Wie im vorletzten Jahr hatten wir auch diesmal wieder Gelegenheit zu einem Interview. Die vom Management bestätigten guten Erfahrungen in 2005 (großer Dank an Julia und Gerrit von Team 9/10) hatten zur Folge, dass Team 8 komplett mit der ganzen Band sprechen durfte, was ein langes, aber sehr interessantes Interview zur Folge hatte, das wir fast komplett am 14.12.2006 über den Äther jagten. Da SILBERMOND-Bassist Johannes und Gitarrist Thomas offensichtlich Brüder sind (heißen zumindest beide Stolle) und fast identisch klingende Stimmen besitzen, übernehme ich für die Richtigkeit der Namenszuordnung bei den Beiden keine Garantie. Neben den beiden Stolle-Brüdern gehören außerdem Sängerin Stefanie Kloß und Schlagzeuger Andreas Nowak zur Band.
Ach ja, und dass das Lingener Publikum am Nikolaustag alle bestehenden Vorurteile gegen das Emsland aufs Beste widerlegte, ist an anderer Stelle (Konzertbericht) nach zu lesen.

Raphael: Benötigt man eine gewisse Form von Intelligenz, um erfolgreich Rockmusik zu machen? Was sind eure Tipps für eine traumhafte Musikerkarriere?

Andreas: Intelligenz muss man in der Hinsicht haben, dass man seine Gefühle aufschreiben kann, dass man klar sieht und nicht versucht, zu intelligent Texte zu schreiben. Das muss aus dem Bauch kommen. Und das ist die Intelligenz, die man benötigt, um ein Lied zu schreiben und dass man jeden Abend mit Spaß auf die Bühne gehen sollte.

Johannes: Obwohl das auch Sachen sind, die unterbewusst passieren sollten. Was Tipps für Bands sind, ist schwer zu sagen. Jede Karriere ist individuell. Da gibt es kein Patentrezept, wie man eine Band gründet und ganz erfolgreich wird und viele Platten verkauft. Bei uns war es so, dass wir immer ehrlich zu uns waren und nie etwas gemacht haben, das wir nicht hätten vertreten können. Wir haben wirklich immer das aufgeschrieben, was uns wirklich bewegt. Wir haben nichts geplant und gesagt: „Der Song und das Thema könnten ganz erfolgreich werden in unserem Land“. Wir haben einfach immer alles aufgeschrieben und sind natürlich froh, dass es vielen Leuten da draußen gefällt und viele Leute auf unsere Konzerte kommen und diverse Geschichten mit uns teilen. Das ist schön. Ansonsten viel live spielen, viel proben, an seinem Instrument fit werden, das ist auf jeden Fall ganz wichtig, um eine gewisse musikalische Qualität auf die Bühne zu bringen. Das sind die Tipps, die wir geben können. Ansonsten viel live spielen und immer ehrlich zu sich selbst sein.


Kalli: Vor anderthalb Jahren, im Mai 2005, habt ihr die Fans in Lingen mit einer spontan im Publikum gewünschten Coverversion überrascht - CHRISTINA STÜRMER mit „Ich lebe“. Wie viele Songs habt ihr in der Hinterhand und beherrscht ihr? Was macht ihr z.B., wenn sich heute Abend 20 Leute in der ersten Reihe TOKIO HOTEL wünschen?

Steffi: Diese Kategorie damals hieß „Wunschlied“. Das war immer ein sehr spontanes Ding. Wir haben uns für diese Tour etwas Anderes überlegt. Diese Kategorie gibt´s jetzt nicht mehr. Aber dafür haben wir uns eine andere nette Kategorie überlegt, die mindestens genau so lustig und spontan ist. Es gibt ein paar Songs, die kennen wir ein bisschen. Aber es wurde dann immer peinlich, da ich nie den Text der Strophen kannte. Wir haben es dann immer so frei Schnauze gespielt. Manchmal ging´s gut und manchmal weniger. Ob wir TOKIO HOTEL spielen könnten…, weiß ich nicht! Ich bin wirklich nicht der textsicherste Typ. Auch wenn ein Song noch so oft im Radio läuft, meistens kann ich mir die Texte nicht großartig merken.

Yvonne: Euer Bandname SILBERMOND klingt irgendwie verträumt. Schlägt in euch eine romantische Ader? Die vermehrt ruhigen Songs eurer neuen CD „Laut gedacht“ lassen das vermuten.

Andreas: Gewissermaßen sind wir schon Romantiker. Einige Lieder von uns sind ja auch romantisch. Das ist jetzt kein platter Kitsch, sondern ein ehrliches Gefühl, das wir aufgeschrieben haben. Wir haben auch schnellere Lieder, die nicht nur die Gefühlswelt eines Singles oder Pärchens widerspiegeln, sondern andere Themen wie Politik oder Toleranz behandeln, welches in unseren Augen auch wichtige Themen sind.


Patrick: Ihr tourt euch sozusagen den Allerwertesten ab? Bleibt überhaupt noch Zeit für`s Komponieren?

Steffi: Ja, wir touren uns den Allerwertesten ab, auf jeden Fall! Ideen sammeln wir schon, wenn wir auf Tour sind. Jeder schreibt für sich viele Sachen auf. Aber es ist schon schwer, wenn du jeden Abend auf der Bühne stehst, tagsüber haben wir Interviews, Soundcheck. Wir stehen relativ spät auf, weil wir natürlich einen ganz anderen Rhythmus haben. Wir gehen auch später ins Bett. Es ist schon definitiv schwerer, auf Tour zu schreiben. Es ist einfacher, wenn du sagst „Jetzt gehen wir wieder in den Proberaum und schreiben Songs.“  Denn dann bist du mit dem Kopf besser dabei und drin, was das Texten angeht. Aber Ideen sammelt man immer. Wenn Thomas eine Idee hat, nimmt er das schnell auf seinem Computer auf, sodass wir das dann fertig machen können, wenn wir das nächste Mal - drei Wochen später - wieder in den Proberaum gehen.

Johannes: Diese Zeit muss man sich auch nehmen. Wir sind ja eine Band, bei der Alles über ihren Tisch geht. Wir können über alles entscheiden. Wenn wir Zeit brauchen zum Komponieren, dann sagen wir das; und dann wird das auch gemacht. Das ist nicht so wie bei US 5, die von irgend welchen Leuten hin - und hergeschickt werden, um Sachen machen zu müssen. Das ist ja bei uns nicht so. Das sind komplett konträre Ansätze, die da vorherrschen. Wenn wir das Gefühl haben, dass wir zuviel machen und die Musik aus den Augen verlieren, stellen wir das fest und ändern es.


Raphael: Mal eine Schätzfrage: Was meint ihr, wie viele Konzerte haben SILBERMOND während ihres Bestehens schon gegeben?

Thomas: Das ist eine sehr, sehr gute Frage! Ich sag´ 500. Allein 2004 waren es 170. 400 – 500 Konzerte werden es auf jeden Fall sein, was eigentlich schon ziemlich viel ist. Aber es ist nicht so, dass das uns annervt. Live spielen war uns immer wichtig. Deswegen touren wir auch extrem gern. Wir würden uns auch wünschen, dass man irgendwann noch die eine oder andere Null anhängen könnte.


Kalli: Verspürt ihr noch so etwas wie Lampenfieber?

Andreas: Ja! Ohne Lampenfieber wär´s Routine. Wenn man mit Routine auf die Bühne geht, ist das langweilig für die Band und das Publikum. (bekommt aus heiterem Himmel einen Kicheranfall, von dem er sich nicht wieder erholt – die Red.)

Thomas: Was Andreas meint…, er hat nämlich schon Lampenfieber. Dann wird er immer ganz hibbelig. Aber dann gibt´s jetzt ein ACC-Akut gegen Lampenfieber. Besonders bei erhöhter Temperatur kann man es dann ein bisschen senken. Wie Andreas schon gesagt hat, ist Lampenfieber extrem wichtig. Wenn der Tag kommt, an dem du auf die Bühne gehst und sagst: „Mal gucken, jetzt spielen wir mal wieder ein Konzert, die Leute werden bestimmt wieder gut drauf sein!“ Ich glaube, das ist der Tag, an dem man aufhören sollte, Musik zu machen oder live zu spielen. Von daher wünschen wir uns, dass wir noch sehr, sehr lange Lampenfieber haben.


Yvonne: Steffi, du trägst auf deinem Oberarm oft den Namen der jeweiligen Stadt, wo ihr gerade seid? Der erste Anfall von Alzheimer? Oder verliert man bei diesem Mordsprogramm einfach irgendwann den Überblick?

Steffi: Als ich damals anfing, mir immer den Städtenamen auf den Arm zu schreiben, war das eher so ein Zeichen für die Stadt „Hey, guckt, wir sind bei euch, Mann!“ Das war nicht so, dass ich mir nicht den Stadtnamen merken konnte. Ich glaube, das wäre ganz schlimm, wenn man sich nicht mehr merken könnte, in welcher Stadt man gerade ist. Aber die Jungs haben auch schon gefragt: „Warum machst du das eigentlich?“ Es war die allererste Open-Air-Tour mit dem „Verschwende deine Zeit“ - Album. Ich habe das zur Tradition gemacht. Das war ein echtes Opfer. Man hat sich mit Edding den Namen drauf geschrieben, was immer sehr schwer abging. (auch Steffi verfällt in munteres Gekicher – die Red.)

Johannes: Der Thomas musste es immer drauf schreiben. Aber es war nicht so, dass sie sich das nicht merken konnte. Das war für sie eben eine schöne Tradition. Und das haben wir hier in Lingen gemacht. Und das war ziemlich cool!


Kalli: Ihr seid nach eurer Tour als Support für JEANETTE so richtig durchgestartet. Diesmal habt ihr in der jeweiligen lokalen Presse nach guten Newcomerbands gesucht, die für euch eröffnen dürfen. D.h., in jeder Stadt eine andere Band. Welcher Support-Band auf dieser Tour würdet ihr den Durchbruch zutrauen? Im letzten Jahr hat´s ja z.B. bei REVOLVERHELD aller bestens geklappt.

Thomas: Das ist wirklich ´ne gute Frage! Wie ich gerade sagte, ist es für uns wichtig, live zu spielen. Und ich glaube, dass das auch vielen anderen Bands in unserem Land ziemlich wichtig ist. Aber leider fehlen viel zu oft die Möglichkeiten, sein Material live vor Publikum zu präsentieren. Deswegen haben wir diese Support – Aktion ins Leben gerufen. Wir haben selber erlebt, wie schwierig es ist, zu Clubveranstaltern – oder besitzern zu gehen und zu sagen: „Hey, wir sind eine junge Band. Ist es möglich, bei dir zu spielen?“ Die Meisten sagen: „Erst wenn ihr schon bekannter seid, dürft ihr bei mir spielen“. Deswegen haben wir diese Sache ins Leben gerufen. Und wir hatten bis jetzt richtig coole Erfahrungen damit. REVOLVERHELD z.B., die letztes Jahr dabei waren. Die sind auch ziemlich bekannt mittlerweile, was uns sehr freut, weil es nette Typen sind und es eine gute Liveband ist. Deswegen würde es uns freuen, wenn das noch ein paar anderen Bands gelingen würde, die bei uns gespielt haben. Wir würden uns freuen, wenn wir einen kleinen Teil dazu beigetragen hätten. Die Bands, die bisher da waren, haben sich richtig gefreut, für die war das ein cooles Erlebnis und vielleicht auch ein Ansporn, noch weiter zu machen, weiter zu proben. Dann ist unser Ziel eigentlich erreicht, wenn wir das geschafft haben. Deswegen schau´n wir mal, welche Band noch was von sich hören lässt. Es sind auf jeden Fall einige dabei, die das Potential dazu haben.


Herr Glück: Eine Frage an den Schlagzeuger: Es besteht dieses Klischee, dass die Schlagzeuger die Arbeiter in einer Band sind. Wenn der Schlagzeuger „hängt“, hängt die ganze Band. Ist es nicht irgendwann zu blöd, zu wissen: Die Anderen stehen im Rampenlicht, man macht die meiste Arbeit, wird aber kaum gesehen?

Andreas: Jeder hat seine Aufgabe in der Band und jeder kann seine Aufgabe sehr gut. Jeder hat seinen Aufgabenbereich, den er gut erfüllen muss. Es ist keiner wichtiger als der Andere. Logisch, wenn der Schlagzeuger hängt, ist die Band doof. Wenn die Sängerin schief sängt, nützt der beste Groove, die beste Rhythmusgruppe nichts. Oder wenn der Gitarrist schlampt, kann die schönste Emotion in einem Lied zerstört werden, wenn er plötzlich einen schiefen Akkord schlägt. Jede einzelne Note ist wichtig. Es verspielt sich jeder. Das ist eine Live-Show. Davon lebt es, dass man sich gegenseitig antreibt, lacht und einfach seinen Spaß hat und aufs Publikum überträgt

Thomas: Aber dass Andreas weit mehr ist, als der der hinter der Band rumhängt, wird man heute Abend sehen. Aber mehr möchte ich nicht verraten.

Herr Glück: Vor dem Auftritt hörten wir etwas von 6 Kisten Bier. Werden sie vor oder nach dem Auftritt getrunken? Oder für wen waren sie gedacht?

Thomas: Bei uns gilt ein Kodex, dass wir vor der Show keinen Alkohol trinken. Und auch danach hält sich das sehr in Grenzen. Natürlich trinkt man mal ein Bierchen und wertet den Abend aus; ob irgendwas schief gelaufen ist, was man am nächsten Abend besser machen könnte. Es ist ja auch nicht möglich, nach dem Konzert direkt in den Tourbus zu steigen und zu schlafen. Das geht einfach nicht, weil du noch voller Adrenalin bist, weil das Konzert (hoffentlich) wieder gut war. Man sitzt halt noch ein bisschen. Der eine trinkt einen O-Saft, der andere einen Wein oder ein Bier. Aber sechs Kisten an einem Abend für uns…, das ist schon schwierig. Deswegen glaube ich, dass das für die Bar war und für die Leute, die heute Abend zum Konzert kommen.

Wir möchten an dieser Stelle auch auf das SILBERMOND -  Projekt "Fans helfen" hinweisen.

Interviewbearbeitung: Stephan Glück
Fotos: Raphael Heinen, Stephan Glück


Interview mit SILBERMOND am 15.5.2005

 

Am 15. Mai gastierten die deutschen Senkrechtstarter SILBERMOND in den Lingener Emslandhallen. Ein entsprechender Konzertbericht ist hier zu lesen.

Julia und Gerrit führten vor dem Konzert ein Interview mit Bassist Johannes und Sängerin Steffi. Trotz ihres engen Zeitplans (ein Interview jagte das nächste) beantworteten sie unsere Fragen ausführlich und jederzeit entspannt. Aber lest selbst, was sie z.B. über die laufende Marathon-Tournee, ihr Verhältnis zu den Medien oder die Einstellung zum Musikmachen allgemein erzählten.


J: Eigentlich solltet ihr ja schon vor einem Monat bei uns spielen. Das Konzert wurde wegen eines Sturzes von Steffi kurzfristig abgesagt. Was war passiert?

S: Sturz klingt immer so dramatisch! Die Bild-Zeitung ist da ja immer sehr schnell mit vielen Schlagzeilen am Start. Es war eigentlich etwas ganz Harmloses. Wir geben nach dem Konzert immer noch Autogramme. So war`s auch an dem Tag in Pahlen. Ich wollte ganz schnell `runter zur Autogrammstunde. Es war eine ziemlich steile Holztreppe. Ich bin abgerutscht und habe mir den Hinterkopf gestoßen. Es tat zwar weh; ich dachte aber, es sei nichts passiert. Bei der Autogrammstunde bin ich dann halt umgefallen. Es war alles ein bisschen unglücklich, aber nicht weiter schlimm. Nur schade, dass ein paar Konzerte ausfallen mussten. Ich musste doch ein paar Tage liegen, denn mit einer kleinen Gehirnerschütterung muss man sich doch schon ein paar Tage ausruhen. Aber wir freuen uns, dass nur wenige Leute die Karten zurückgegeben haben und fast alle, die eine Karte gekauft haben, heute trotzdem kommen.


G: Ihr absolviert momentan ein Wahnsinns-Programm an Konzerten. Hat man die Reiserei nicht irgendwann satt?

J: Uns kommt der glückliche Umstand zu gute, dass wir für diesen Beruf leben. Die Band gibt`s mittlerweile seit 6 Jahren. Und wir machen seit dieser Zeit nichts anderes, als Konzerte zu geben. Wir lieben es, immer unterwegs zu sein. Deshalb ist das für uns kein Problem. Es ist für eine Band eigentlich das Größte, viel unterwegs und auf Tour zu sein.


J: Habt ihr schon immer deutschsprachige Musik gemacht?

S: Nein! Als wir uns vor 6 1/2 Jahren trafen, fingen wir mit englischer Musik an. Wir spielten erst Songs nach von Bands, die wir toll fanden. Wir fingen in der Sprache an, die unsere Lieblingsbands hatten. Und das war eben Englisch. Man muss erst seinen Stil finden. Du ziehst ja auch nicht mehr die Klamotten an, die du vor vier Jahren getragen hast, weil dir die jetzige Mode vielleicht besser gefällt oder du etwas gesehen hast, was dir mehr liegt und besser steht. Genauso ist es auch mit der Musik. Du brauchst `ne Weile, um deinen Stil zu finden und ein bisschen auszuprobieren. Als wir dann unseren ersten deutschen Song hatten, merkten wir, dass es uns viel besser liegt. Man kann sich besser ausdrücken. Und du brauchst nicht immer einen Englischlehrer, um grammatikalisch richtige Texte zu schreiben. Deswegen haben wir uns für die deutsche Sprache entschieden.


G: Könnt ihr schon von der Musik leben? Oder wie haltet ihr euch finanziell über Wasser?

J: Man denkt da draußen immer, dass man Millionär ist, 1000 Villen und Autos hat und steinreich wird. Wir leben von der Musik, können unsere Rechnungen bezahlen. Aber wir sind mit Sicherheit nicht reich. Aber deshalb machen wir das ja auch nicht. Natürlich muss man von etwas leben, seine Miete bezahlen, seine Stromrechnungen. Es ist schon wichtig, dass man damit Geld verdient. Gerade, wenn man das den ganzen Tag macht, ist es elementar wichtig. Es ist alles gut so, wie es ist. Und hoffentlich bleibt`s so!


J: Was sagt ihr zum Thema "Deutsch-Quote"?

S: Es war ja immer ein Hin- und Her. Von wegen "Alle anderen Länder machen das ja auch, um viel nationale Musik zu spielen". Also, wir sehen das so: Ich stelle mir jetzt vor, dass ich Radiomoderator wäre. Ich hätte jeden Tag einen Stapel, den ich spielen muss und einen klitzekleinen Stapel, den ich spielen kann, wenn ich will und weil es mir auch selbst gefällt. Die Geschichte hat schon gezeigt, dass es Quatsch ist und nur zu negativen Sachen führt, wenn Kunst in eine Richtung gelenkt oder durch Regeln beschränkt wird. Die Kunst findet schon ihren Weg. Da muss man nicht sagen: "Das darf man und das nicht!" Es ist ja nicht so, dass es so wenig deutsche Musik gibt, die man spielen kann. Da muss man keine Regeln aufstellen. Gute Musik wird gespielt. Und ich finde, die deutsche Musik derzeit ist gut. Die braucht keine Hilfe.


G: Habt ihr Kontakt zu anderen deutschen Erfolgsbands?

J: Wir freuen uns sehr, dass wir auf den Konzerten und Festivals, bei denen wir gespielt haben, schon viele Leute getroffen haben, z.B. DIE HAPPY, mit denen wir auch in persönlichem Kontakt stehen und die wir sehr mögen. RAMMSTEIN haben wir schon getroffen, DIE FANTASTISCHEN VIER, DIE SÖHNE MANNHEIMS – mit denen spielen wir oft. DIE TOTEN HOSEN haben wir schon getroffen. Es ist ein schönes, kollegiales Verhältnis untereinander.

S: Es ist auch immer schön auf solchen Veranstaltungen und Konzerten, gerade im Sommer auf den Festivals: Du spielst nie alleine auf dem Konzert und hast immer die Möglichkeit, andere Bands zu sehen, brauchst dir keine Karte kaufen und bist immer gleich dabei. Auf FETTES BROT freue ich mich sehr, auf FARIN URLAUB, der bei der "Campus-Invasion" direkt nach uns spielen wird, auf die TOTEN HOSEN, DIE HAPPY, das wird bestimmt sehr lustig. Ich denke, wir werden diesen Sommer noch sehr viele Bands kennen lernen.


SG: In Schweden seid ihr auch, oder?

S: Wir sind gestern zurückgekommen von unserer Skandinavien-Tour. Wir waren in Oslo, Helsinki, Stockholm und Kopenhagen. Eine Woche lang waren wir dort auf Tour. Es war sehr schön. Initiiert wurde es vom Göthe-Institut. Das ist eine Institution, welche die deutsche Sprache fördert. Sie hatten die Idee, die deutsche Sprache in den Norden zu tragen und fragten uns, ob wir Lust hätten. Und wir dachten "Hey, cool, kein Problem!" Es war wie eine Woche Urlaub. Wir spielten in ganz kleinen Clubs, weil wir nicht dachten, dass viele Leute kommen würden. Aber in Helsinki waren plötzlich 550 Leute. Stellt euch das vor - in einem Land, wo SILBERMOND keine S.. kennt. Du stehst da und denkst: "Wow! Das ist richtig cool!" Das hat sehr viel Spaß gemacht. Wir hatten schönes Wetter, sehr viel Sonne. Und wir hoffen, dass wir das noch einmal wiederholen können.


J: Ihr wart für 4 Echos nominiert, habt am Schluss aber "nur" einen bekommen. Seid ihr deswegen enttäuscht?

J: Wir sind mit Sicherheit nicht enttäuscht, weil es eine Ehre ist, überhaupt einen zu bekommen. Wir haben uns natürlich im Vornherein gefreut, dass wir am meisten nominiert waren. Uns hat schon ein bisschen gestört, dass draußen alle Leute gedacht haben, dass wir selbstverständlich alle 4 bekommen würden. Wir waren z.B. auch für die "beste Gruppe national" neben Künstlern wie SÖHNE MANNHEIMS und ROSENSTOLZ nominiert, vor denen wir viel Respekt haben. Es war für uns völlig klar, dass wir, wenn überhaupt, den für "bester Newcomer" bekommen könnten. Dass wir den letzten Endes bekommen haben, war natürlich eine sehr große Ehre für uns. Und wir haben uns darüber riesig gefreut.


G: Prinz Charles wetterte vor einigen Wochen gegen einige Medienleute. Wie steht ihr dazu? Wie kommt ihr mit den Medien klar?

S: Prinz Charles also! Verstehe! Mich interessiert das gar nicht so. Ich bekomme das gar nicht so mit. Ich glaube, wir waren in der letzten Zeit wirklich zuviel unterwegs. Grundsätzlich ist jeder nett zu dir, wenn er was von dir will, eben auch Journalisten und gewisse Medienleute. Wir sind ja grundsätzlich auch nette, sympathische Menschen. Wir bieten ihnen immer etwas zu trinken an, wenn wir etwas da haben. Einige nutzen das aus, andere nicht. Einigen ist man dann zu nett. Da heißt es dann "SILBERMOND sind überfreundlich!" Dann schreiben einige Leute nicht über das Gespräch, sondern über deine Kleidung oder das Gericht, das du dir gerade bestellt hast. Oder sie schreiben über deinen Gang. Jemand hat einmal geschrieben, dass ich einen "Fußball-Gang" habe. Du denkst dann schon: "Für diese Frau werden wir uns sicher demnächst nicht mehr drei Stunden Zeit nehmen". Sie wollte ein ausführliches Interview. Wir setzten uns extra sonntags mit ihr zusammen. Diese Frau konnte irgendwie keinen anständigen Artikel schreiben. Es gibt schon einige Leute, die negativ schreiben. Oder es gibt Zeilen, die dir nicht gefallen. Z.B. "Stefanie stürzte auf der Bühne". Da stimmen schon zwei Wörter nicht. "Bühne" stimmt nicht und "stürzte" auch nicht. Aber man findet sich mit der Zeit damit ab. Wenn du dich immer damit beschäftigen würdest, Gegendarstellungen zu schreiben..., da haben wir Besseres zu tun. Wir sitzen lieber im Proberaum, schreiben ein paar neue Songs und sind auf Konzerten.


G: Was sind eure nächsten Pläne?

S: Wir planen immer! Stimmt`s Johannes?

J: Ja, wir planen immer! Wir sind jetzt gerade aus Skandinavien zurückgekommen. Im Sommer machen wir noch einige "Verschwende deine Zeit" - Open-Airs. Das ist eine Variante unserer Club-Tour an der frischen Luft. Da wird`s auch einige neue Songs geben, die nicht auf dem Album enthalten sind. Wir sind bei vielen großen Festivals dabei: "Rock am Ring", "Rock im Park", "Taubertal-Festival", "Highfield-Festival", "Donau-Insel-Festival" in Österreich, u.s.w., ganz viele Festivals im Sommer. Im September gehen wir ins Studio, arbeiten am zweiten Album und schreiben neue Songs. Und im nächsten Jahr werden wir dann hoffentlich mit dem zweiten Album herauskommen.

 

Interviewbearbeitung: Stephan Glück

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