Studiogast: Tina Gerdes
(Schülervertretung der HRS Lengerich)
Interview mit Ines Callsen
(Schülerinitiative "Schüler helfen leben") am 14.6.2007
Am 19. Juni 2007 fand bundesweit der inzwischen siebte soziale Tag statt, der von der Schülerinitiative "Schüler helfen Leben" ins Leben gerufen wurde. Die HRS Lengerich nahm zum ersten Mal daran teil. Stephan Glück begrüßte im Studio Tina Gerdes, Mitglied der Schülervertretung und führte ein Telefoninterview mit Ines Callsen von der genannten Schülerinitiative. Die Sendung stand somit ganz im Zeichen des sozialen Tages.
Das wievielte Mal nimmt die HRS Lengerich an dieser Aktion teil?
Tina: Wir nehmen zum ersten Mal teil.
Wer kam auf die Idee, an dieser Aktion teilzunehmen?
Tina: Der Schulleiter (Herr Günther Uchtmann) machte uns darauf aufmerksam. Wir
fanden die Aktion in Ordnung und entschlossen uns, auch daran teil zu nehmen.
Was man sich unter sozialem Tag vorstellen kann, berichtet nun Frau Ines Callsen von der Schülerinitiative „Schüler helfen leben“. Um was genau geht es bei dieser Initiative? Und was ist deine persönliche Aufgabe?
Ines: Ich mache gerade ein freiwilliges soziales Jahr bei "Schüler helfen leben". "Schüler helfen leben" ist eine Initiative, die von Schülern ins Leben gerufen wurde im Jahre 1992. Wir setzen uns für Gleichaltrige auf dem Balkan ein. Wir möchten, dass es den Kindern und Jugendlichen auf dem Balkan und in Südosteuropa besser geht nach dem Krieg und versuchen, das mit möglichst viel Hilfe hinzubekommen.
Was sind eure bisherigen Erfolge, v.a. finanzieller Art?
Ines: Um zu helfen, benötigen wir natürlich finanzielle Mittel. Dafür haben wir seit 1998 den "sozialen Tag". An diesem Tag arbeiten Schüler und spenden ihren Lohn anschließend an die Jugend - und Bildungsprojekte. Seit 1998 gibt es diesen Tag in Deutschland. Wir fingen mit Norddeutschland an, wo wir es erst etabliert haben. Inzwischen sind wir auch bundesweit, d.h. jeder Schüler aus ganz Deutschland kann mitmachen.
Bitte erzähle uns noch etwas zum Ablauf des sozialen Tages!
Ines: Jede Schule, die Lust dazu hat kann sich anmelden, egal ob Grundschule, Gymnasium, Sonderschule oder Berufsschule. Dann stellen wir jeder Schule ein Infopaket zur Verfügung, in dem sich Arbeitsvereinbarungen (Arbeitsverträge für den Tag) befinden. Die Schüler gehen daraufhin auf die Suche nach Arbeitsplätzen, ob im Eiscafe oder bei der Oma im Garten, völlig egal!
Welche Aufgabe hat die Schülervertretung der HRS Lengerich im Zusammenhang mit dem „Sozialen Tag“ übernommen?
Tina: Wir besuchten die Klassen und haben die Schüler darüber informiert, hängten Plakate auf und teilten später die Arbeitsverträge aus.
Als ihr den Mitschülern die Aktion im Unterricht vorgestellt habt, wie waren da die Reaktionen?
Tina: Einige waren sehr erfreut über "Schulfrei", andere fanden die Aktion sehr gut und möchten immer hilfsbereit sein.
Gab es auch Schüler, die sagten "Ach nein, das ist nichts für uns!" oder "Hey, das ist eine gute Idee! Wir können Schulfrei bekommen!"
Tina: Ja, die gab es natürlich auch, die eigentlich mehr wegen "Schulfrei" Interesse hatten.
Wie viele Schülerinnen und Schüler haben sich für den sozialen Tag angemeldet?
Tina: Ungefähr 140.
Wir haben vorhin schon gehört, dass die Versuchung natürlich schon besteht, sich für die Aktion nur wegen des Schulfreis anzumelden? Ist euch das bewusst?
Tina: Das ist uns auf jeden Fall bewusst. Wir sprechen darüber auch oft mit
Schülern. Wir möchten den Schülern natürlich auch die Problematik näher bringen,
dass der Balkan immer noch ein Krisengebiet ist. Aber natürlich können wir es
absolut verstehen, dass die Schüler es toll finden, wenn sie einen Tag
Abwechslung haben. Es ist auch nicht vorgeschrieben, wie lange man arbeiten soll
oder wie viel Geld der Arbeitgeber geben darf. Das kann alles selbstständig
verhandelt werden. Von daher denke ich, dass jeder Schüler seinen Beitrag dazu
leisten kann.
Wer entscheidet, wo genau das gesammelte Geld eingesetzt wird?
Ines: Das entscheiden die Schüler. Im Vorfeld des sozialen Tages (dieses Mal im März) gibt es ein Projektauswahltreffen, das in Berlin statt gefunden hat. Jede Schule, die an diesem Treffen teilnehmen wollte, konnte Schüler dorthin schicken. Es kamen ca. 200 Schüler zusammen. Wir haben die Schüler ein Wochenende lang begleitet. Sie konnten an Workshops teilnehmen und sich so vorbereiten. Am Ende gab es dann eine große Wahl, bei der demokratisch abgestimmt wurde. So haben die Schüler ein Projekt gewählt.
Ist garantiert, dass das Geld dort auch ankommt?
Ines: Das ist auf jeden Fall garantiert. Ich war selbst am Anfang des freiwilligen sozialen Jahrs auf dem Balkan, z.B. in Sarajewo. Ich habe mir die Projekte angeschaut, die durch die vorherigen sozialen Tage schon finanziert werden konnten. Ich habe es selbst gesehen. Das Geld kommt dort an! Die Kinder freuen sich wirklich und sind begeistert, dass von Gleichaltrigen aus Deutschland Hilfe kommt.
Sollte es jugendliche Zuhörer geben, die noch unschlüssig sind, ob sie am Dienstag mitmachen sollen, was sagst du denen zur Motivation?
Ines: Wir freuen uns, wenn so viele wie möglich mitmachen. Kurzfristig noch Arbeitsplätze zu finden, ist auch kein Problem. Man kann z.B. zum Nachbarn oder ins Eiscafe um die Ecke gehen. Auch unsere Jobbörse auf www.sozialertag.de bietet sich an. Dort kann man schauen: "Was ist in meiner Region? Was interessiert mich?" Und dann findet man einen Job und kann mitmachen und helfen.
Wenn trotzdem kurzfristig bis Dienstag kein Arbeitgeber mehr gefunden werden kann, man sich aber trotzdem aktiv beteiligen will, welche Möglichkeiten gibt es außerdem?
Ines: Man kann Gruppenaktivitäten durchführen. Die sind zwar kurzfristig auch ein bisschen schwer zu planen. Grundschüler oder die unteren Klassenstufen führen gerne Benefizturniere durch, wo es dann z.B. für jedes Tor ein oder zwei Euro gibt. Auch Aktionen wie ein Flohmarkt sind immer sehr beliebt. Und wenn es ganz kurzfristig ist, kann man sicher auch die Mama fragen, die sicher eine lange Liste hat, was im Haushalt noch zu tun ist. Man findet auf jeden Fall irgendetwas, womit man helfen kann.
Noch eine Frage an Tina: Machst du auch mit?
Tina: Ja, ich mache mit. Ich arbeite in einem Garten - und
Landschaftsbaubetrieb.
Habt ihr außer des eigenen Arbeitens noch weitere Aktionen geplant, um das Projekt finanziell unterstützen zu können?
Tina: Ein Mitglied des Schülerrates hat ein Klassenprojekt organisiert, beim dem
Müll und Schrott gesammelt wird.
Was erhofft sich die SV von diesem Sozialen Tag? Was meinst du, werdet ihr in zwei Jahren noch einmal mitmachen?
Tina: Wir erhoffen uns, dass die Schüler viel Spaß daran haben und noch einmal
mitmachen. Wir hoffen, dass wir in zwei Jahren auch wieder dabei sind.
Interviewbearbeitung: Stephan Glück