Interview mit REVOLVERHELD am 3.11.2007

Interview mit REVOLVERHELD am 29.9.2005


Interview mit REVOLVERHELD am 3.11.2007

2½ Jahre ist es her, als REVOLVERHELD im Mai 2005, damals noch als absoluter Newcomer und Support von SILBERMOND, die Lingener Emslandhallen rockten. Nun verschlug es die aus Bremen und Hamburg stammende Band wieder ins Emsland, diesmal mit zahlreichen Charthits und diversen Preisen im Gepäck. Die kurzfristige Verlegung des Konzertes von den Emslandhallen in den Alten Schlachthof tat der guten Stimmung keinen Abbruch. Im Gegenteil! Die Athmosphäre eines ausverkauften, schwitzenden Rockclubs passt zu REVOLVERHELD einfach besser als eine Riesenhalle, die nur zur Hälfte gefüllt ist.
Die Radio-AG bekam netterweise die Möglichkeit, komplett, mit zwei Teams die Band zu interviewen. Vielen Dank deshalb an die Plattenfirma.
Beide Interviews sind nun im Folgenden zu lesen.

Hannah, Lisa und Herr Glück im Interview mit Johannes und Jakob von REVOLVERHELD

Yvonne (Vertretung: Marina Heinen), Raphael und Johannes im Interview mit Nils, Kristoffer und Flo von REVOLVERHELD

 


Vor 2 Jahren wart ihr noch mit Silbermond unterwegs, nun habt ihr eure eigene Tour. Wie ist das Gefühl, die "Hauptpersonen" zu sein?

Johannes: Super! Wir sind ja schon länger auf eigener Tour unterwegs. Es ist natürlich cool, wie heute in einem ausverkauften Club zu spielen und zu wissen, dass die Leute wegen uns und nicht wegen einer anderen Band kommen.


Wie habt ihr die letzten zwei Jahre erlebt, in denen es für euch sozusagen von 0 auf 100 ging? Und wie schwierig ist es, bei dieser für euch so positiven Entwicklung nicht abzuheben?

Jakob: Ich glaube, dass sich keiner von uns das so vorgestellt hat, wie es dann gekommen ist. Wie Johannes schon sagte, haben wir eine eigene Tour gespielt, wovon wir alle immer geträumt haben. Wir haben das inzwischen zweite eigene Album gemacht, sowie jetzt die zweite Tour zum zweiten Album. Es lief alles sehr gut für uns. Wir haben alles dafür geben. Wir haben aber auch die Schattenseiten schon kennen gelernt, so dass die Gefahr, abzuheben, nicht so groß ist.


Wenn ihr eure beiden CDs miteinander vergleicht – wo liegt der Hauptunterschied zwischen „Revolverheld“ und „Chaostheorie“?

Johannes: Wir hatten beim zweiten Album einfach mehr Zeit. Wir haben die Erlebnisse der letzten Jahre verarbeitet und deswegen einfach noch mehr Equipment ins Studio karren sowie noch songorientierter arbeiten können. Wir sind einfach mehr auf Details eingegangen. Auch textlich haben wie einen Schritt nach vorne gemacht. Wir haben nicht mehr so das Thema "Rock", wie wir es beim ersten Album hatten. Ich würde sagen, es ist breit gefächerter geworden.


Ist „Unzertrennlich“ ein Song über die Wiedervereinigung im Jahre 1989?

Johannes: Nein!

Jakob: Nicht wirklich! Kann man vielleicht auch so sehen. Das war aber nicht die Idee, die wir dahinter hatten. Es ging eher um den Zusammenhalt von zwei Personen, um die Liebesbeziehung zwischen Mann und Frau oder wie im Video zwischen Mann und Mann. Aber an die Wiedervereinigung haben wir nicht gedacht.

Ist ja auch schon ein bisschen her...

Johannes: Damals war ich 9. Und da hatte ich den Song mit Kris wohl noch nicht geschrieben.


In einem Telefoninterview für "Zoom!" Ende September 2005 (s. u.) ließ Johannes einige deutliche Kommentare gegen Casting-Shows ab. Tatsache ist, dass es keiner der Sieger b.z.w. keine der Siegerbands der letzten Jahre zu lang anhaltendem Erfolg gebracht hat, im Gegensatz zu euch. Inwieweit ist das eine Art Genugtuung für euch?

Johannes: Es geht. Ich finde es immer gut, wenn Leute, die viel live spielen, es aus eigener Kraft schaffen und nicht durch diesen komischen Medien-Hype die Gewinner der ganzen Geschichte sind. Deswegen freue ich mich immer, wenn viele kleine Bands entstehen und eine größere Plattform bekommen. Es war abzusehen, dass diese ganze Casting-Geschichte langfristig nicht gut gehen kann. Deswegen ist es schon ein bisschen Genugtuung, dass wir noch da sind und viele, die im Jahr 2005 auf Platz 1 waren, nicht mehr existieren.

Das ganze Konzept läuft aber nach wie vor ganz gut!

Jakob: Ja, das ist schade! Die Leute sind immer noch daran interessiert, sich so einen Sch.... anzusehen. Ich glaube, das wird sich auch nicht so schnell ändern. Das Geschäft ist einfach zu schnelllebig geworden. Nach zwei Monaten beginnt die nächste Staffel. Und der Gewinner der letzten Staffel ist dann bereits wieder verschwunden. Ich glaube, dass das nicht als Musik zu sehen ist, sondern einfach als Unterhaltung.

Johannes: "Casting-Show gucken" ist wie beim Unfall anzuhalten und zu gaffen, ...Sensationsgeilheit wahrscheinlich!


Auf eurer Tour eröffnen die Bands LIVINGSTON und LEO CAN DIVE für euch. Wie seid ihr auf diese Bands gekommen?

Johannes:
LIVINGSTON kommen aus London. Jakob, den Gitarristen kennen wir beide schon recht lange. Er ging vor sechs, sieben Jahren nach London. Über Internet, Myspace und Mails ist es natürlich möglich, mit Leuten Kontakt zu halten, die weg sind. Irgendwann schrieb er, dass er eine Band hat. Die fanden wir cool. So hat sich das ergeben. Es war ein persönlicher Kontakt von uns.

Jakob: LEO CAN DIVE kennen wir auch schon relativ lange. In Mannheim gibt es eine Popakademie mit einem Bandförderungs-Pool, wo wir auch die Jungs kennen gelernt haben. Die haben jetzt auch einen Plattenvertrag. Und da dachten wir: "Tolle Band. Nehmen wir mal mit!"


Ihr habt euch gleich für die erste CD eine der größten Plattenfirmen überhaupt (SONY & BMG) angeln können, die natürlich auch bestimmte Erwartungen an euch hat, z.B. was die CD-Verkäufe angeht. Lasst ihr euch davon beeindrucken? Dürft ihr bei diesem Thema überhaupt ehrlich antworten? Wie sieht´s aus mit eurer künstlerischen Freiheit?

Johannes: Natürlich dürfen wir ehrlich antworten! Wir lästern ja auch über Casting-Shows. DSDSS läuft ja auch bei  SONY & BMG. Ist mir aber egal. Ist wirklich das Letzte. Deswegen heiße ich ja noch lange nicht alles gut, was sie machen. Wir sind einfach bei einem Team gelandet, die super sind. Wir entscheiden das aber alles selbst. Wir schreiben ja den ganzen Quatsch selbst. Nils und Kris haben die beiden Platten produziert. Wir arrangieren das Zeug und schlagen dann immer ein paar Singles vor, die wir uns vorstellen können. Danach setzen wir uns mit den Leuten zusammen. Wir sind da aber schon die ausschlaggebende Macht. Wir sind als Band schon so gefestigt und mit dem Konzept dahin gegangen, dass wir gesagt haben: "Wir machen das, aber nur, wenn wir entscheiden, wenn es unser Ding ist und ihr das mittragt." Es gefiel ihnen , dass eine Band so selbstständig ist. Sie sagten aber auch gleich: "Dann geht ihr aber auch mit ins Risiko. Wenn´s schief läuft, wissen wir, wer der Schuldige ist. Nämlich ihr. Dann habt ihr eine falsche Entscheidung getroffen." Ja, bis jetzt ist es gut gegangen. Und wir sind einfach froh, dass wir dort so eigenständig handeln können.


Es ist ja das gleiche Label wie bei SILBERMOND, mit denen ihr vor zwei Jahren auf Tournee wart. Inwieweit habt ihr davon profitiert?

Johannes: Wir haben total von der ersten Support-Tour profitiert
. Wir hatten schon einmal eine Support-Tour für SILBERMOND gespielt, als die Plattenfirma uns sah. Danach ging es mit der SONY & BMG los. Dann haben wir sie auf einer ganzen Tour supportet und direkt ein großes Publikum bekommen. Es ging im Internet viel los. Es kamen viel mehr Leute zu unseren Konzerten, aber natürlich im kleineren Rahmen. Wir kennen SILBERMOND gut, sind mit ihnen befreundet. Die Geschichte 2005 war ein super Start. 


Wie viele Konzerte habt ihr auf dieser Tour schon hinter euch? Und seid ihr noch nervös vor einem Konzert?

Jakob:
Wir haben jetzt extra für den zweiten Teil der "Chaostheorie"-Club-Tour ein neues Programm erarbeitet. Das wird heute die zweite Show sein. Deswegen sind wir heute schon wieder aufgeregt. Aber grundsätzlich haben wir soviel live gespielt, dass sich das ein bisschen gesetzt hat. Wir sind schon routinierter geworden. Aber ein bisschen Kribbeln muss auch da sein, sonst geht alles schief. Das gehört dazu!


Habt ihr neben der Musik noch andere Hobbys? Kann man die Musik bei euch überhaupt noch als Hobby bezeichnen? Oder könnt ihr schon von der Musik leben?

Johannes:
Ja, mittlerweile können wir davon leben. Das ist sozusagen unserer Beruf. Neben der Musik haben wir natürlich auch noch Hobbies, für die wir zwar nicht so viel Zeit haben. Ich war z.B. hier in Lingen heute morgen Golf spielen. Jakob ist ein begeisterter Fußballer. Wir machen schon noch viel. Wir schauen viel Fußball, machen viel Quatsch und feiern gerne.


Wenn man wie ihr die ganze Zeit durch die Gegend gondelt, trifft man v.a. auf Festivals viele andere Bands. Inwieweit nimmt man diese ganzen unterschiedlichen Stilistiken mit in seinen Stil auf?

Jakob: Jeder von uns hört extrem unterschiedliche Musik und lässt das bestimmt auf irgendeine Weise auch in sein Spiel mit einfließen. Aber bewusst sagen wir nicht: "Lass uns mal einen LINKIN PARK - oder MY CHEMICAL ROMANCE - Part einbauen." Aber, klar, das geht jedem so. Man nimmt es aus seinem Umfeld auf und lässt es in sein eigenes Spiel mit einfließen.


Wie sehen eure zukünftigen Pläne aus?

Johannes: Tour beenden. Anfang nächsten Jahres lassen wir es ruhig angehen. Dann werden wir im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder viel live, Festivals spielen. Mal schau´n, was kommt!

Ein neues Album?

Jakob: So lange ist das aktuelle Album noch nicht draußen
. Natürlich wird es ein neues Album geben! Wann, wissen wir noch nicht genau.

Johannes: Wir schreiben auf jeden Fall permanent. Wir haben bereits viele neue Ideen. Wir müssen mal sehen, wie es sich entwickelt.



Parallel dazu unterhielten sich Johannes und Raphael mit Nils, Kristoffer und Flo. Yvonne war leider an diesem Termin verhindert. Netterweise sprang Raphaels Schwester Marina ein.


Ihr wart im Mai 2005 die Vorband von Silbermond. Habt ihr danach sofort einen Plattenvertrag bekommen?

Nils: Den hatten wir schon vorher. Die Tour mit SILBERMOND war unsere erste. Unseren Plattenvertrag unterschrieben wir ein halbes Jahr vorher. Das war unsere erste große Tour.
 



Eure Songs sind sehr direkt und geradeaus. Schreibt ihr eure Songs selbst? Und worum geht es in den Texten?

Kristoffer: Klar schreiben wir unsere Songs selbst! So sollte es auch sein. Aber die Frage hat natürlich ihre Berechtigung bei den Casting-Acts, die heute nichts mehr selbst machen. Ja, die Texte sind sehr geradeaus, was uns auch sehr wichtig ist. Es war von Beginn an unser Konzept, dass wir nichts Unverständliches schreiben, über das man zwanzig mal nachdenken muss. Wir versuchen immer wieder, die Texte mit unserer eigenen Sprache zu schreiben.


Setzt ihr euch für den Klimaschutz ein? Wenn ja, was sind eure persönlichen Beiträge dazu?

Flo: Auf jeden Fall setzen wir uns dafür ein. Wir haben ja auch bei „Live Earth“ gespielt, wo es um den Klimaschutz ging. Ich persönlich besitze Sparlampen und achte darauf, dass die „Stand-By“-Geräte immer ausgeschaltet sind. Man muss im Kleinen anfangen: Strom sparen, Wasser sparen – wenn jeder seinen kleinen Beitrag dazu leistet, hilft das auf jeden Fall.


Was haltet ihr von Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen bei 130?

Nils: Ich weiß nicht genau, wie viele Leute wirklich über 130 fahren. Ist das wirklich die große Masse? Keine Ahnung! Am meisten wird dann ja doch eher in den Großstädten gefahren, wo ja sowieso schon auf 100, 120 begrenzt ist (er meint offensichtlich die Autobahnen, die durch Großstädte führen – die Red.). Ich kann nicht beurteilen, ob das viel ausmacht. Wenn ja…, wir sind alle keine Mega-Raser. Für uns wäre es kein Problem, wenn sie das Tempo runtersetzen würden.

Kristoffer: Die Diskussion ist momentan aktuell. Es bringt sicher mehr, wenn man für Stadtfahrten einfach das Auto stehen lässt und das Fahrrad benutzt. So oft fahren wir nicht Autobahn; und nicht 130!



Seid ihr noch vor jedem Auftritt aufgeregt ? Lampenfieber?

Kristoffer: Eigentlich schon. Es ist nicht mehr so, dass wir vor Aufgeregtheit sterben, sondern mehr so ein positives, angenehmes Kribbeln. Aber es kommt natürlich auch immer auf den Auftritt an. Bei einer eigenen Tour wie im Moment ist es nur positiv und nett. Aber bei „Rock am Ring“ oder „Rock im Park“ war es schon so ein bisschen wie halbes Sterben.


Wie seid ihr auf euren ersten Bandnamen ,, Manga” gekommen? Und warum habt ihr euch schon ein Jahr später in ,,Tsunamikiller” unbenannt?  Wie seid ihr dann auf euren jetzigen Bandnamen gekommen?

Nils: Ich weiß gar nicht mehr genau, wie wir auf den ersten Bandnamen gekommen sind. Da ist ja auch schon ein bisschen her. Da gab es teilweise markenrechtliche Probleme. Manchmal gibt es große Firmen, die sich bestimmte Rechte einfach gesichert haben. Und wenn man den gleichen Namen benutzt, bekommt man Ärger. Das war bei uns der Fall. Deshalb war „Manga“ aus dem Rennen. Der Name „Tsunamikiller“ war etwas ungünstig im Zusammenhang mit dieser großen Tsunami-Katastrophe, die wirklich schrecklich war.  Wir wollten mit so einer Katastrophe einfach nicht in Verbindung stehen, sodass wir sagten: „Ganz klar, es muss ein anderer Name her!“. Man kann nicht weiter so heißen, nachdem da fast 300.000 Menschen starben. Wir suchten einen neuen Namen, der möglichst plakativ und deutsch ist, zu uns und unseren Texten passt. Das war eigentlich eine recht unspannende Story. Jeder machte eine Liste, auf denen verschiedene Namen standen. Bei Johannes stand „Revolverheld“. Wir trafen uns abends in der „Kneipe“ und sahen die Listen durch. Bei diesem Namen sagten wir alle :“Cool, das klingt passend!“


Was haltet ihr von Casting-Shows wie „Deutschland sucht den Superstar“?

Flo: Das ist genau das Gegenteil von dem, was wir machen und gut finden! Wir sind es gewohnt, dass Bands von Beginn an ihre Sachen selbst schreiben, kleine Shows spielen und sich anstrengen, um es später zu schaffen und langfristigen Erfolg zu haben. Bei den „Casting-Shows ist es genau umgekehrt. Die sind sofort auf einer großen Plattform - im Fernsehen - und haben nicht wirklich viel Mühe, die erste Platte zu veröffentlichen. Die verkauft sich meistens auch gleich sehr gut  und steigt sofort in die Top 10 ein. Aber keiner dieser Acts ist wahrscheinlich langfristig erfolgreich. Es gibt nur ganz wenige Ausgaben. Und deshalb sind es zwei ganz unterschiedliche Sachen. Bands wie wir oder SPORTFREUNDE STILLER, WIR SIND HELDEN und SILBERMOND kann man nicht gleich setzen mit MARK MEDLOCK.

Nils: Vor allen Dingen wird dort mit Teenagerträumen gespielt. Die meisten Teilnehmer denken: „Jetzt werde ich berühmt und komme groß raus“. Bei ganz wenigen klappt das, aber dann auch nur für einen kurzen Zeitraum. Da wird im Prinzip Kapital geschlagen aus den Träumen von vielen Jugendlichen. Das kann man nicht befürworten!




 

Was wird die nächste Single? Und wann kommt das nächste und dritte Album?

Flo: Das steht alles noch ein bisschen in den Sternen. Wir spielen jetzt erst einmal unsere Tour. Danach haben wir Urlaub, frei, und entspannen uns. Dann geht es eigentlich schon wieder an die Arbeit für das dritte Album. Aber konkrete Termine existieren noch nicht.

Kristoffer: Es wird wahrscheinlich auch noch etwas vom zweiten Album kommen, weil es ja auch erst ein halbes Jahr auf dem Markt ist. Ich glaube, die meisten Bands bringen ihre Alben im Abstand von zwei oder drei Jahren raus. Da haben wir also noch ein wenig Zeit.



Wie seid ihr auf den Namen ,,Chaostheorie” für euer Album und die Tournee gekommen?

Kristoffer: „Chaostheorie“ fanden wir passend, weil ziemlich viel chaotisches Zeugs auf uns hereinbrach. Wir dachten eigentlich, es wird sehr schwer, das Album zu schreiben. Aber je mehr der Schreibeprozess voran ging, wunderten wir uns, wie geordnet es ablief. Die „Chaostheorie“ besagt, dass die Ordnung im Chaos herrscht. So kam uns das auch vor, als wir die Songs für das zweite Album geschrieben haben. Deshalb fanden wir den Namen sehr passend.

Interviewbearbeitung und Fotos: Stephan Glück


Interview mit REVOLVERHELD am 29.9.2005

Am 15. Mai 2005 noch als absoluter "Newcomer" die Lingener Emslandhallen mit Begeisterung gerockt, nicht mal ein halbes Jahr später mit zwei Singles in den Charts und das erste Album gleich bei einem absoluten Labelgiganten (Sony/BMG) veröffentlicht - REVOLVERHELD sind die Durchstarter der Saison. Klar, dass wir die Band ins Studio einladen mussten. Da sie sich derzeit im Promo-Stress befinden, war ein Besuch während der Sendung leider nicht möglich. Am 29. September führten Marco und Maik aber ein interessantes Telefoninterview mit Sänger Johannes, der mit schonungslos ehrlichen Kommentaren aufwartete, die wir während der Oktober-Sendung natürlich nur auszugsweise senden konnten. Deshalb hier das Interview ungekürzt in Vollversion.
Als Einstieg zur ersten Frage spielten wir den Mitgröhlrefrain des Titels "Rock`n`Roll", der in Lingen der Liveknaller des Abends war. Unbeschreiblich, was da abging. Der Meinung war auch Johannes. Aber lest selbst.


Am 15. Mai wart ihr bei uns zu Gast. Was habt ihr in diesem Moment vom Lingener Publikum gedacht?

Ich dachte, das ist ja unfassbar. Wenn man da oben auf der Bühne steht; und so viele Leute schreien deine Songs mit, wie gerade gehört "Rock´n´Roll", da denkt man schon: "Was ist denn hier los?" Das passiert nicht jeden Tag. Es gibt Städte, da stehen die Leute und denken "Aha, wer sind die denn, lass sie erst mal machen!". Aber in Lingen war´s schon sehr krass.


Waren die Konzerte mit SILBERMOND der Auslöser für euren jetzigen Bekanntheitsgrad und Erfolg?

Sie waren sicher mit ein Grund. Wir spielten aber vorher auch schon viel live, viele Festivals. Wir haben einen guten Manager, der viel macht. Jetzt gehen wir mit DIE HAPPY auf Tour, danach alleine. Es war sicher wahnsinnig gut für uns, da wir sehr viele Leute erreicht haben und eine super Zeit hatten. Aber es war nicht der einzige Grund.


Im Mai im Vorprogramm von SILBERMOND noch gänzlich unbekannt, nicht mal ein halbes Jahr später mit erster CD am Start und bereits in den Singlecharts vertreten... Seht ihr die Gefahr, abzuheben?

Gute Frage! Nein, ich glaube nicht! Wir machen alle seit 10 - 15 Jahren Musik und erlebten schon die totalen Niederlagen, so dass uns jeder sagte: "Hört lieber auf mit der Musik und macht etwas Anderes". Wenn man weiß, wie es ist, vor drei Leuten zu spielen – und wir hatten solche Auftritte, das ist noch kein Jahr her, in Hamburg im Freibad - , und es geht dann so schnell, dann ist man für jeden Tag dankbar, der passiert. Ich weiß, wie wahnsinnig unwahrscheinlich es ist, dass das alles funktioniert und man länger dabei bleibt. Ich glaube nicht, dass wir Gefahr laufen, abzuheben.


Wie kommt ihr in der Musikszene zurecht? Welche Bands und Interpreten habt ihr schon kennen gelernt?

Bis jetzt habe ich noch gar nicht so viel kennen gelernt. Zurecht kommen wir ganz gut. Letztens lernten wir die H-BLOCKX kennen, mit denen wir einige Festivals spielten. Die waren sehr nett. Und DIE HAPPY natürlich, auch eine sehr nette Band. Interpreten? Wir waren letztens bei "The Dome". Da laufen viele komische Plastik-Acts wie CHIPZ und BANAROO `rum. Teilweise wirklich sehr nette Menschen. Aber musikalisch kann ich das nicht so ganz nachvollziehen.


Wie habt ihr euch gefunden und eure Band gegründet? Woher kommt ihr eigentlich?

Ich komme aus Bremen, die Anderen alle aus Hamburg. Es war Ende 2002, als ich unseren Schlagzeuger Jakob kennen lernte. Er erzählte mir von einer Band, die nur instrumentale Sachen machten und für die ich der perfekte Sänger wäre. Er "belaberte" mich dann einige Monate, da ich zu der Zeit eher auf dem Trip war, zu studieren, etwas Ruhe zu haben und meine eigenen Sachen durchzuziehen. Ich besuchte dann aber eine Probe, die total magisch war. Da war sofort klar, dass wir eine Band sind. Das war 2003.


Habt ihr schon immer deutschsprachige Rockmusik gemacht?

Ja. Ich texte seit über zehn Jahren auf Deutsch. Vor zehn Jahren war jeder der Meinung, man sollte lieber englische Musik machen, da man mit Deutsch sowieso keine Chance hätte. Bei dieser Band war sofort klar, dass die Texte auf Deutsch sind, weil unser Gitarrist auch auf Deutsch textet. Das Gute ist, dass die Leute in Deutschland sich momentan viel mehr mit der deutschen Sprache auseinandersetzen und das Selbstverständnis wieder zurückkommt. Ich finde es super, dass deutsche Texte auch im Radio eine Plattform finden. Das wurde höchste Zeit. In Italien, Spanien oder Frankreich ist es völlig normal, dass das Radio und die Charts voll sind mit Texten aus der Landessprache. Ich find´s super, dass das in Deutschland jetzt auch endlich soweit ist.


Wie seid ihr auf euer cooles Bandlogo und den Bandnamen gekommen?

Beim Bandnamen überlegten wir lange. Wir wollten einen Namen, der nach Rock klingt und zu unseren Texten passt, die ja recht plakativ sind. Und da dachten wir, REVOLVERHELD ist eine gute Ansage. Das Logo hat ein Freund unseres Schlagzeugers Jakob entworfen. Er sollte einfach mal machen und lieferte dann dieses Logo ab. Wir sagten alle sofort: "Wie geil ist das denn? Super! Das drucken wir sofort auf Poster und überall drauf."


Wie waren die Aufnahmen zu eurem ersten Album "Revolverheld"?

Sehr anstrengend. Zehn Wochen wohnten wir alle zusammen in einer kleinen Wohnung. Wir waren Tag und Nacht für die Aufnahmen im Studio. Wir nahmen vorher mit minderwertigen Geräten in einem Gartenhaus auf. Dann auf einmal in so einem High-Class-Studio zu sein, ist schon ein krasser Unterschied. Das war super für uns, weil wir zehn Wochen lang intensiv an unseren Songs arbeiten konnten. Und wir sind sehr froh über das Ergebnis.


"Generation Rock" und "Die Welt steht still" waren eure ersten Singles, zu denen es auch Videos gibt. Wie war es, das erste Mal vor der Kamera zu stehen?

Ganz merkwürdig! Bei "Generation Rock" war es so, dass wir immer wieder den Song performten. Das war schon krass, 30.000 mal diesen Song zu spielen. Dann steht da ein Regisseur vor deiner Nase und schreit "Ja, ja, ja, mehr Gefühl, mehr Action". Und du stehst da und denkst "Was? Ich kann nicht mehr!" Einen Videodreh stellt man sich sicher viel aufregender vor, als er in Wirklichkeit ist. Ist alles sehr sachlich und wird 30.000 mal gedreht. "Die Welt steht still" war ganz nett, weil noch eine kleine Story dabei war. Christina, die die weibliche Rolle gespielt hat, ist eine gute Freundin (meine Ex-Freundin) von mir. Wir hatten sehr viel Spaß. Es war a….kalt. Wir hielten uns die ganze Zeit mit Getränken warm.


Wie reagieren die Medien auf euer Album?

Kann ich so genau noch gar nicht sagen. Einige Reaktionen haben wir schon, die alle durchweg positiv sind. Viele Resonanzen gehen in die Richtung "Endlich mal Rock, härter und auf Deutsch". Wir waren jetzt zwei Wochen lang bei verschiedenen Radiosendern, nächste Woche geht´s weiter. Bei Saturn und Media-Märkten hatten wir Unplugged-Auftritte. Die Reaktionen waren immer sehr gut. Aber wir werden sehen, was die nächsten Wochen bringen.


In vielen eurer Texten zeigt ihr der kommerzialisierten Musikwelt mit den vielen gecasteten Bands und Künstlern den Mittelfinger. Seht ihr euch als Retter der echten Rockmusik?

Retter wäre etwas zu dicke Hose und zu dick aufgetragen. Ich finde es gut, dass es im Moment Bands gibt – und dazu zähle ich uns auch – die sagen, dass sie nicht auf Casting-Quatsch und unechte Produkte stehen, die von irgendwelchen Marketing-und Plattenfirmen-Chefs am Reißbrett produziert werden. So nach dem Motto "So sollen sie und er aussehen. Dazu machen wir einen schönen Song". Im schlimmsten Fall kommt Dieter Bohlen dazu. Da haben wir einfach nichts mit zu tun. Ich finde, Musik muss von Herzen kommen. Ich verstehe die Leute nicht, die sich Songs andrehen lassen und diese dann singen, obwohl sie sie nicht mögen. Wir arbeiteten jahrelang an unseren Songs und produzierten das Album selbst. Wir erzählen Geschichten, die uns selbst passiert sind. Leute, die kurzfristig in die Öffentlichkeit wollen..., das kann ich einfach nicht nachvollziehen. Ganz im Ernst: Das braucht kein Mensch. Und ich bin froh, dass Deutschland langsam durch ist mit diesem Casting-Quatsch!


Würdest du dich auch bei so einer Casting-Show bewerben?

Nein, nie im Leben! Das ist wirklich das Hinterletzte! Ich kann es auch nicht verstehen! Wenn es jemand mit Musik schaffen will, sollte er ein paar Jahre live spielen und dann sehen, welche Art Musik ihm liegt. Bitte nicht zum Casting gehen und sich da verbiegen lassen. Das funktioniert nie! Diese Boy-und Girlbands lösen sich sowieso nach einem halben Jahr auf, weil sie sich alle s…… finden. Wir sind jetzt seit ungefähr drei Monaten ununterbrochen unterwegs. Wenn die Jungs nicht meine besten Kumpels wären, dann wäre ich schon durchgedreht. Es macht tierischen Spaß und ist auch super anstrengend. Wenn du da bei einem Act wie NU PAGADI bist und die anderen alle s…… findest…wie soll das funktionieren?


Wo kann man euch demnächst live erleben?

Wir werden zuerst vom 14. Oktober bis 5. November als Support mit DIE HAPPY unterwegs und auf Tour sein. Danach sind wir ab 18. November auf eigener Tour, die bis Mitte 2006 geht. Wir werden also vom 14. Oktober bis Ende 2006 wahrscheinlich nur noch live spielen. Am besten ist es, wenn man unter www.revolverheld.net schaut. Da stehen alle Termine und es kommen täglich mehr dazu.


Interviewbearbeitung: Stephan Glück

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