Interview mit Frau Heike Berding und Herrn Edgar Eden (Polizei Lingen) am 19.9.2007
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Am 19. September 2007 waren zwei
Vertreter der Polizei Lingen an unserer Schule zu Gast, um das neu
initiierte Projekt "Busschule" ausgiebig vorzustellen. Natürlich war die Radio-AG hier mit von der Partie, um Interviews mit Polizei, Busfahrern, Schülern und Lehrern zu führen, die
einen Tag später in "Zoom!" in Auszügen auf der Ems-Vechte-Welle zu hören
waren. Da die Aktion überwiegend während der Unterrichtsstunden statt fand,
stellte Herr Glück die einzelnen Fragen. |
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Ich begrüße zwei Vertreter der Polizei Lingen, die sich jetzt vorstellen werden.
Frau Berding: Mein Name ist Heike Berding. Ich bin Polizeibeamtin bei der
Polizei in Lingen und dort zuständig für den Bereich Prävention und
Öffentlichkeitsarbeit. Wir freuen uns, dass wir heute zu Gast in dieser Schule
sein dürfen.
Herr Eden: Ich bin Edgar Eden und Sachbearbeiter Prävention bei der Polizei in
Lingen. Wir beide sind Initiatoren der "Busschule".
Da sind wir bereits beim Thema: Wie kam es zu dieser Idee?
Frau Berding: Es gab immer wieder Beschwerden der Eltern, Schüler und
Busfahrer, dass es an den Bushaltestellen und in den Bussen teilweise chaotisch
zugeht. Das mussten wir uns lange Jahre anhören. Es ist Handlungsbedarf. Wir
müssen einfach aktiv werden in dieser Sache. Und so entstand die Idee, eine
"Busschule" einzurichten.
Herr Eden: Ich bin Nordhorner, mein Dienstort ist Lingen. Ich fuhr einige Male
mit dem Schulbus morgens von Nordhorn nach Lingen. Ich stellte dort teilweise
Ungereimtheiten fest, was ich mir nie vorstellen konnte. Aber es ist wirklich
so: Im Gegensatz zu den Engländern steigen die Leute in Deutschland drängelnder
Weise in den Bus ein. Auch im Bus werden Sachbeschädigungen vorgenommen,
Nothämmer gestohlen. Es ist manchmal ein Verhalten zu beobachten, das für die
Kinder vielleicht normal ist, aber andere Fahrgäste sehr stört. Dann haben
wir gesagt: Lasst uns ein Konzept aufstellen. Wir recherchierten im Internet.
Diese "Busschule", wie wir sie anbieten, gibt es in Deutschland nicht. Es gibt
immer nur einzelne Teile, aber dieses komplette Paket mit zwei Praxis - und
Theorieteilen war uns bislang unbekannt.
Frau Berding: Unser Ansatz beginnt schon am Ende der 4. Klasse. Wir verteilten
an die jetzigen 5. Klassen kostenlose Schnuppertickets. Wir haben festgestellt,
dass die neuen Fahrschüler ihre erste Schulbusfahrt doch relativ unvorbereitet
antreten. Dem wollten wir vorbeugen. Mit diesen Schnuppertickets konnte man
einen ganzen Tag kostenlos mit den Bussen fahren. Das ist sehr gut angekommen,
so dass ich mir vorstellen kann, dass wir das im nächsten Jahr wieder aufgreifen
werden.
Das Angebot richtet sich eher an die Klassen 5. Wie sieht es mit den älteren Jahrgängen aus? Ich kann mir vorstellen, dass die genannten Probleme ja v.a. bei älteren Jahrgängen auftreten.
Frau Berding: Wir haben festgestellt, dass die Drängeleien an den Schulbussen eher von den jüngeren Jahrgängen begangen werden. Die schupsen und drängeln von hinten. Die älteren Schüler ab Klasse 8 sind relativ zurückhaltend, stellen sich vernünftig an und haben gar keine Lust auf Drängelei und Geschupse, so dass die 5. Klassen schon die richtigen Ansprechpartner sind. Die Sachbeschädigungen und Diebstähle in den Bussen werden aber sicher auch von den älteren Schülern begangen: Sitze werden eingeritzt, Bänke beschmiert, Nothämmer gestohlen. Das trifft eigentlich auf jede Altersgruppe zu.
Die Aktion hier (gemeint ist der praktische Teil mit Busfahrern an und in den Bussen, in denen den Schülern der tote Winkel erklärt wird und besonders auch die Wichtigkeit des nötigen 1m-Abstandes vom Bordsteinrand deutlich gemacht wird - die Red.) richtet sich aber doch eher an die jüngeren Schüler, oder?
Herr Eden: Wir müssen irgendwo beginnen. Die 5. Klasse bietet sich an, weil dort
die Schüler von der Grundschule in die weiter führenden Schulen kommen. Dort
werden sie in der Regel das erste Mal mit dem Busverkehr konfrontiert.
Unser Projekt beginnt in der 5. Klasse. Angesprochen werden aber auch die
weiteren Jahrgänge durch die jeweiligen Klassenlehrer. Wir haben Regeln
aufgestellt und verfasst, die in den höheren Klassen durch die dort
unterrichtenden Lehrer angesprochen werden sollen.
Frau Berding: Wir binden innerhalb der nächsten drei Jahre, auf die das Konzept
erst einmal ausgelegt ist, auch die älteren Schüler mit ein. Im nächsten
Schuljahr wollen wir Buslotsen ausbilden. Dort werden wir Schüler ab der
Altersstufe 9 ansprechen und ausbilden als "rechte Hand des Busfahrers". Für das
übernächste Schuljahr planen wir Buspatenschaften, für die die 7. Klassen
eingespannt werden sollen. Sie sollen die Schüler der 5. Klassen an die Hand nehmen
und ihnen etwas zum Schulbusverkehr erzählen. Wir werden also in Zukunft sowohl
die 9. und 10., als auch die 7. Klassen in dieses Projekt mit einspannen.
Wer ist an dieser Aktion außer der Polizei noch beteiligt?
Herr Eden: Wenn wir von "wir" sprechen, ist natürlich zuerst immer die
Polizei gemeint. Wir haben aber als starken Partner auch die VGE und
Verkehrswacht mit ins Boot geholt. Gerade die VGE stellt Fahrer und Busse
kostenfrei zur Verfügung.
Als Highlight bekommen die Schüler sog. Jojos. Man kennt das aus den
Ski-Gebieten. Das ist ein Schlüsselanhänger, an dem die Fahrkarte befestigt
wird. Man kann diese Fahrkarte ziehen, da der Jojo sie ca. einen Meter frei
gibt. Der Busfahrer kann die Karte ohne weiteres einsehen. Und sie geht nicht
verloren, weil sie automatisch wieder aufgewickelt wird. Das ist der einzige
Punkt, wo es am Geld scheiterte. Die Stadt Lingen und der Altkreis Lingen mit
den einzelnen Gemeinden zeigten sich sehr engagiert, indem sie diesen einzigen
Kostenfaktor finanzierten. Das soll ein Erinnerungsstück an die "Busschule" für
die Kinder darstellen. Zusätzlich haben wir einen Holzschutzmann mit dem Schild
"Wir sind Busprofis" umgearbeitet. Dieser wird an den Bushaltestellen auf
gehangen, sodass die Schüler immer wieder daran erinnert werden...
"Busprofis..., aha, da war doch mal etwas. Wir verhalten uns jetzt danach!".
Außerdem haben wir Busregeln als Poster in den Klassen verteilt, um den
Erinnerungsfaktor wieder hervorzurufen.
Interviewbearbeitung: Stephan Glück