Interview mit Herrn Franz-Josef Kordes am 23.1.2006

Am 26. Januar wurde unser langjähriger Schulleiter Herr Franz-Josef Kordes in den Ruhestand verabschiedet. Drei Tage vorher führten Vanessa und Maik ein Interview mit ihm. Er ließ fast 40 Jahre Lehrerdasein Revue passieren und blickte entspannt in die Zukunft. Aber lest selbst:


Vanessa: Wie lange waren Sie an dieser Schule und wie lange Rektor?

Herr Kordes: Ich bin eigentlich schon sehr lange an dieser Schule, und zwar seit 1968, also fast 40 Jahre. 1972 wurde ich Konrektor. Rektor bin ich seit 1989.


Vanessa : Welches war Ihr liebstes Unterrichtsfach?

Herr Kordes: Da hatte ich eigentlich mehrere. Mein Lieblingsfach war damals in den jungen Jahren das Fach "Musik", das ich auch studiert habe. Ich habe in den ersten Jahrzehnten sehr viele Klassen im Fach Musik unterrichtet, habe während dieser Zeit auch mehrere Musikgruppen gegründet und ins Leben gerufen. Ich habe dieses Fach sehr gerne unterrichtet, bis ich in die Schulleitung kam und nicht mehr soviel Zeit hatte. Ich habe mich dann spezialisiert auf das Fach "Mathematik".


Vanessa : Was gefiel Ihnen an Ihrem Beruf und unserer Schule besonders?

Herr Kordes: Eigentlich die Arbeit mit jungen Leuten. Deswegen habe ich diesen Beruf auch ergriffen - junge Leute auf den Weg zu bringen in die Erwachsenenwelt. Ich war an dieser Schule sehr gerne Lehrer und Schulleiter, weil das Klima zwischen Kollegen, Schülern und Eltern sehr positiv war und heute noch ist.


Vanessa : Werden Sie Ihren Beruf vermissen?

Herr Kordes: Das ist eine Frage, die ich jetzt noch nicht beantworten kann. Vielleicht muss die Zukunft das ergeben.


Vanessa : Gibt es Dinge, die Sie nicht vermissen werden?

Herr Kordes (lacht): Vielleicht die bösen Buben und Mädchen, die mir ab und zu geschickt wurden, damit ich ihnen den richtigen Weg aufzeigen sollte, wenn sie sich im Unterricht oder in der Pause nicht unseren Regeln entsprechend verhielten.


Vanessa: Sie haben unzählige Schülerinnen und Schüler und die verschiedensten Generationen unterrichtet. Wie unterscheiden sich die heutigen Schüler Ihrer Meinung nach von denen der letzten Jahrzehnte?

Herr Kordes: Das stimmt, ich habe viele Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Viele davon sind heute sogar eure Eltern. Ich muss sagen, dass es schon Unterschiede gibt zwischen früher und heute. Früher waren die Schüler – auch wenn ihr das vielleicht nicht so gern hört – doch braver. Man hatte weniger Ärger mit den Schülern. Deswegen waren auch oft die Klassen größer und stärker besetzt als heute. Als ich 1968 nach Lengerich kam, hatte ich z.B. eine Klasse mit 48 Schülern und hatte damit überhaupt keine Schwierigkeiten. Wenn ich in die Klasse kam, saßen alle auf ihrem Platz. Das erlebt man heute nicht mehr so. Man stellt auch fest, dass die Schüler bereitwilliger waren, das zu tun, was Erwachsene ihnen sagten, b.z.w. was man von ihnen in der Schule erwartete. Sie waren bereitwilliger zum Lernen. Heute sind sie nicht so widerstandsfähig und aufnahmefähig, wie wir es uns manchmal wünschen würden.


Vanessa: Gab es während Ihrer Zeit als Schulleiter auch größere Konflikte mit Kollegen? Wenn ja, wie haben Sie diese gemeistert?

Herr Kordes: Sicherlich gab es hier und da Konflikte mit Kollegen. Entweder von Kollege zu Kollege. Oder es beschwerten sich Eltern über einen Kollegen. Ich habe immer versucht, durch viele Gespräche miteinander diese Probleme zu lösen. Ich hoffe und glaube, dass es mir in den meisten Fällen gelungen ist. Ich bin der Meinung, man sollte Konflikte nicht mit der Brechstange versuchen zu lösen, sondern möglichst immer das Gespräch suchen.


Maik: Haben Sie auch mal daran gedacht, Ihren Beruf aufzugeben?

Herr Kordes: Kurze Antwort - eigentlich nicht!


Maik: Kurz vor Ihrer Pensionierung erlebten Sie noch ein besonderes Ereignis, das mit großen Anforderungen und Anstrengungen verbunden war. Die Schulinspektion besuchte die HRS Lengerich als erste Schule des Emslandes. Wie haben Sie diese Woche erlebt und wie sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?

Herr Kordes: Das war eine Überraschung für uns, als wir als erste Schule im Emsland plötzlich die Nachricht erhielten, dass uns die Schulinspektion direkt nach den Weihnachstferien besuchen wollte. So waren wir halbwegs darauf vorbereitet. Aber alle Kollegen haben sich darauf eingestellt. Zur Woche selbst: Als die Inspektoren bei uns an der Schule waren, war für mich die Zeit sehr anstrengend. Denn man musste fast zu jeder Zeit anwesend sein und die Wünsche der Inspektoren erfüllen und Nachfragen beantworten. Mit dem Ergebnis sind wir eigentlich sehr zufrieden. Es wurde uns am Schluss der Woche mitgeteilt. Wir werden in 2 oder 3 Wochen noch einen großen Bericht erhalten, zu dem wir auch Stellung nehmen können. Und in diesem Bericht wird ausführlich über die einzelnen Teilkriterien noch etwas zu lesen sein.


Maik: Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn Sie jetzt in den wohlverdienten Ruhestand gehen? Haben Sie besondere Hobbies?

Herr Kordes: Am meisten freue ich mich, dass ich jetzt während der Winterzeit morgens nicht mehr so früh aufstehen muss. Ich habe sicherlich Hobbies. Ich werde versuchen, das aufleben zu lassen, was ich in den letzten Jahrzehnten etwa vernachlässigt habe, wie z.B. die Musik. Dann habe ich ein Haus und einen großen Garten, der auf mich wartet. Und es warten zwei Enkelkinder Anne und Lena, die ihren Opa und ihre Oma gerne wieder sehen möchten. Langeweile wird sicher nicht aufkommen.


Maik: In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten konnten Sie zahlreiche Erfahrungen als Schulleiter machen. Was geben Sie Ihrem Nachfolger als theoretisches Handwerkszeug mit auf den Weg?

Herr Kordes: Es ist ja mittlerweile bekannt, dass mein Stellvertreter Herr Günther Uchtmann ab 1. Februar die Amtsgeschäfte als Schulleiter weiter führen wird. Ich glaube, dass er so versiert ist und sich weitergebildet hat, dass ich ihm keine besonderen Empfehlungen an die Hand geben muss. Er soll seinen Weg selbst finden. Und ich weiß, das wird er gut machen und schaffen.


Maik: Was wünschen Sie sich für unsere Schule?

Herr Kordes (lacht): Dass sie immer liebe und brave Schüler bekommt von den Grundschulen. Dass sie sich weiter entwickelt zur eigenverantwortlichen Schule, welches das große Ziel hier in Niedersachsen für alle Schulen ist. Ich hoffe, dass das auch unserer Schule gelingen wird.


Maik: Haben Sie einen Hörerwunsch für unser Schülerradio "Zoom!"?

Herr Kordes: ANDREA BOCELLI und SARAH BRIGHTMAN mit "Time To Say Goodbye" .

 

Interviewbearbeitung: Stephan Glück                        zurück zu Interviews