Pressekonferenz mit JEANETTE am 2.3.2004

                        Fotos: S. Glück

Vor dem JEANETTE - Konzert am 2. März fand für Reporterinnen und Reporter eine ca. zwanzigminütige Pressekonferenz statt. Auszüge daraus waren in der Sendung am 16. März zu hören. Die vollständige Pressekonferenz ist im folgenden nachzulesen.
Bedeutung der Abkürzungen im Text: R = Reporter / Z = "Zoom!" / J: JEANETTE
Den Anfang machte ein Reporter, der seine Hausaufgaben im Fach "Interviewführung" offensichtlich nicht gemacht hatte. Unsensibler kann man eine Pressekonferenz vor einem ca. zweistündigen Auftritt wohl kaum beginnen. Aber lest selbst:


R: Du bekommst es ja sicher selbst mit. Über dich wird viel Häme verschüttet, z.B. von Stefan Raab oder den Grand-Prix-Kandidaten. Vanessa antwortete z.B. auf die Frage, was sie machen würde, um 1 Million Euro zu gewinnen: "Ich würde einen Song von JEANETTE singen." Du bist außerdem zur drittnervigsten Deutschen gewählt worden. Was sagst du dazu?

J: Jedem, der sagt, er würde einen JEANETTE - Titel singen, um einmal 1 Million Euro zu gewinnen, sage ich: Bring erstmal einen Titel in die Top 10, dann reden wir weiter. Solange das nicht geschieht, sollte man den Mund nicht zu voll nehmen. Alles andere interessiert mich relativ wenig.


R: Wieso trifft es aber ausgerechnet immer dich?

J: Es trifft nicht nur mich! Die Leute, die am bekanntesten sind, polarisieren natürlich auch. Die Frage kann man sich eigentlich auch alleine beantworten.


R: Welche Highlights gibt`s in diesen Jahr auf der Tour?

J: Es gibt extrem viele Highlights. Das Konzert dauert 2 Stunden. Wir haben einen ganz starken Rockpart, wo es richtig knallt. Wir haben einen starken Poppart mit viel Performance und Choreographie. Wir haben einen wunderschönen Akustikpart. Es gibt verschiedene Bühnen, so dass das Publikum jederzeit alles sehen kann. Das war uns ganz wichtig. Bei der letzten Tour sagten einige Mädels: "Ich habe die ganze Zeit gar nichts gesehen!". Das haben wir jetzt geändert. Wir haben eine fette, schöne Überraschung in der Mitte des Programms; etwas, das man von mir so nicht erwarten würde, weil ich es noch nie gemacht oder gezeigt habe. Aber das kann ich jetzt noch nicht verraten, oder?


R: Ein bisschen vielleicht?

J: Ich werde Tango und Flamenco tanzen, was nicht ganz einfach war. Das sind z.B. einige Überraschungen und Highlights. Aber eigentlich ist das ganze Konzert ein Highlight aus Licht und Musik.


R: Auf der letzten Tour gab`s ein Medley von "Miami Sound Machine". Warum war das nicht auf der CD?

J: Es war auf der DVD vom Konzert. Auf der "Break On Through" haben wir es nicht veröffentlicht, weil die Fans es lieber sehen und hören als nur hören wollten. Aber wer weiß, was noch kommt. Es ist ja immer mal wieder Platz auf einer CD für ein schönes Special. Kann alles noch kommen!


Z: Du verfolgst bekanntlich schon länger eine Karriere als Schauspielerin in der Vorabend-Soap "GZSZ". Wie bekommst du Schauspieler - und Musikerleben unter einen Hut?

J: Das geht ganz gut. Ich bin ja bei "Gute Zeiten..." ausgestiegen. Ich habe also nicht mehr die tägliche Belastung, zu drehen. Aber es war auch nie eine wirkliche Belastung, um ehrlich zu sein. Das ging beides hervorragend, weil ich einen sehr guten Manager habe. Im Juni drehe ich jetzt wieder einen Film, eine romantische Liebeskomödie. Die Schauspielerei geht nach wie vor weiter.


Z: Wieso bist du überhaupt ausgestiegen?

J: Die Entscheidung kann ich intellektuell nicht begründen. Das war ein Bauchgefühl. Es gibt gewisse Dinge, deren Ära irgendwann vorbei ist. Und "GZSZ" war so ein Ding. Ich hatte immer viele Filmangebote, die ich nicht annehmen konnte. Das wollte ich einfach alles mal tun. Und wie gesagt, ab Juni geht`s schon weiter mit einem Film.


R: Du hast schon zahlreiche Auszeichnungen bekommen, "Goldener Löwe" und ähnliches. Wo soll das noch hinführen mit den Preisen?

J: Ich weiß nicht! Ich bin eine Frau; und jede Frau fühlt sich geschmeichelt durch Komplimente. Ich finde es wunderbar, es kann gerne bis in die Ewigkeit führen.


R: Wer ist für die Bühnenoutfits zuständig?

J: Ich mache das gemeinsam mit meinem Stylisten. Die Bühnenoutfits, die wir auf der Tour sehen, habe ich designt und er genäht. Er bekommt immer "so einen Hals" und eine "Riesen-Krise", weil ich irgendwas aufmale mit komischen Strichen und sage "So jetzt näh` mal nach". Aber er bekommt es immer wieder hin.


R: Ist schon mal daran gedacht worden, mit der Schauspielkollegin YVONNE CATTERFELD ein Duett zu singen?

J: Bis jetzt noch nicht. Ich glaube, dass sich so etwas spontan ergeben muss. Das Duett mit Ronan Keating z.B. war eine Sache, die wir abends in der Bar gemeinsam entschieden hatten. Wir saßen, haben gesungen und er sagte: "Ich möchte mal ein Duett singen. Erinnerst du dich noch an "We`ve Got The Night?". Dann sind wir auf die Idee gekommen. Das muss sich spontan ergeben. Wenn ich mit Yvonne irgendwann einmal in der Bar sitze und wir auf die Idee kommen, gemeinsam ein Duett zu machen, kann das durchaus stattfinden.


R: Die Frage nach dem Lampenfieber kommt sicher bei jedem Konzert. Mit welchem Gefühl geht man an eine Tour mit über 30 Konzerten. Hat man da nicht einen Riesen-Respekt?

J: Furchtbar! In Hildesheim hatten wir die ersten Proben und die öffentliche Generalprobe. Und das Gefühl von damals möchte ich eigentlich nie wieder haben. Aber ich weiß, dass es jederzeit immer wieder zu diesem Gefühl kommt. Aber wenn man die Premiere und das zweite Konzert gespielt hat, ist man schon relaxter. Mit jedem Konzert wird man ruhiger und sagt sich "Ok, cool, es läuft!" Man freut sich und hat Spaß. Man steht nicht mehr hochkonzentriert auf der Bühne und denkt "An dieser Stelle haben wir das Solo verlängert, da den Refrain verdoppelt". Es ist dann im Blut und macht nur noch Spaß.


R: Bisher hat JEANETTE noch keinen Mann an ihrer Seite. Wie muß so ein Typ sein? Man hörte schon mehrere verschiedene Antworten von JEANETTE. Mal war`s Johnny Depp, dann Lauri von THE RASMUS. Wer ist`s denn jetzt?

J: Jim Morrison, aber da habe ich wohl schlechte Karten (Þ längst verstorbener Sänger der 70er-Kultband THE DOORS – der Verfasser!). Das mit Lauri wurde mal wieder unendlich hochgepusht. Es gab eine "Top Of The Pops"-Party, an der wir beide teilnahmen. Da sprach er mich an "Hi, Jeanette, ich bin Lauri, ich wollte mal hallo sagen". Im Nachhinein wurde ich gefragt, wie ich ihn finde und sagte "Hey, er ist ein süßer Kerl!". Und schon hieß es "Sie ist verliebt!" Wenn ich in jeden verliebt wäre, der für mich ein süßer Kerl ist..., das sind einige! Aber Johnny Depp, Jim Morrison, das ist schon der Typ Man, den ich gerne mag. Aber letztlich kommt es auf die Charakterstärke an und nicht auf die wunderschönen Locken und das tolle Gesicht.


R: Eine musikalische Frage: Was ist dein Lieblingsstück von LED ZEPPELIN?

J: "Stairway To Heaven", "Kashmir", ich liebe eigentlich alles. Vor allem wenn man sich das "Remasters"-Album anhört, da ist jeder Song ein Hit, das ist Wahnsinn! Da sieht man, wie viele Hits sie eigentlich hatten. Ich habe alle Alben von LED ZEPPELIN.


Z: Wäre es nicht mal möglich, so etwas zu covern?

J: Da bin ich sehr, sehr vorsichtig. Ich würde nur covern, wenn ich ganz fest davon überzeugt wäre, dass es besser ist als das Original. Und man sagt, dass das bei LED ZEPPELIN ziemlich schwer ist. (Þ wie recht sie hat – der Verfasser!)


R: Hast du besondere Erinnerungen positiver oder negativer Art an das Emsland?

J: Wir haben hier in Lingen das letzte Mal unsere Premiere gehabt. Da hatte ich das gleiche Gefühl wie vor 2 Tagen. Ich war furchtbar aufgeregt. Wir hatten eine kleine Premierenfeier. Da ging so ziemlich alles daneben. Wir hatten weder eine Anlage, noch vernünftiges Licht. Es gab als Getränke nur Sekt für die Mädels und Bier für die Männer. Es war chaotisch, was aber nicht der Fehler des Hauses war. Wir stellten einen Discman mit 2 Boxen auf und versuchten zu feiern. Es war trotzdem wunderbar.


R: Wie war die Premierenfeier diesmal?

J: Ich möchte nicht mehr davon reden. Wir brauchten den Off-Date wirklich. Von uns allen sind 100 Zentner abgefallen, weil wir gemerkt haben, dass die Show gut ist und funktioniert. Wir schlugen dann einfach ein bisschen über die Stränge. Rock`n` Roll halt!


R: Gab`s besondere Pannen und Missgeschicke auf der letzten Tour?

J: Unendlich! Leute fielen von der Bühne, blieben in Aufzügen stecken. Meine Kleider gingen nicht zu. Ich wusste nicht, ob ich mit heruntergeklappter Front auf die Bühne kommen sollte. Ich habe Dinge in Songs gesungen, die habe ich nie geschrieben, so wie ".............." (> singt irgendeinen Kauderwelsch – der Verfasser). Da ging vieles daneben. Das ist aber nie schwerwiegend. Wir lachen drüber, das Publikum auch, dafür ist es eben live. Wir machen keine 2 Stunden Vollplayback, Lippen bewegen, und das war`s. Dafür ist es live.


R: Jetzt geht es demnächst wieder weiter mit "Starsearch". Fallen da für dich auch irgendwelche Vorbereitungen an?

J: Bei "Starsearch" bin ich immer ganz relaxt und entspannt. Darauf bereite ich mich nicht wirklich vor. Ich lasse die Künstler auf mich wirken und beurteile sie danach, wie sie auf mich gewirkt haben. Denn so wirken sie ja auch auf jeden anderen Zuschauer. Ich werde vorher etwas geschminkt, ziehe etwas feines an und genieße die Show.


R: Wäre es ein Thema für dich, irgendwann einmal mit der Musik aufzuhören?

J: Also, wenn ich mit der Musik aufhöre, höre ich auch mit meinem Leben auf. Dann kann man mich eigentlich gleich einbuddeln. Ich würde damit nie aufhören. Denn dann würde ich mit meinem ganzen Inneren Schluss machen, was nicht gut für mein Seelenleben wäre.


R: Du warst lange Zeit das "Popschnuckelchen", wandelst dich aber immer mehr zur Rockerin. Wann demolierst du das erste Hotelzimmer?

J: Ich liebe Rockmusik, würde uns aber nie als Rockband bezeichnen. Wir machen Pop-Rock und es ist genial und cool. Auf Tour rockt es vielleicht auch extrem krass. Die Hotelzimmer..., ich bin ja kein mutwilliger Kaputt-Macher. Bei mir passiert das automatisch. Ich renne aus Versehen in Tische, es passiert einfach. Wenn etwas kaputt ist, ist es nie meine Schuld
(> Manager: "Nein!" / Z: "Der Manager ist schuld!" / Manager: "Ja!")
Auch Gläser fallen sehr oft. Ich kann sagen, ich bin eine "Glas-Kaputt-Macherin"! (> welch geniale Wortkreation! – der Verfasser)


R: Was kannst du zu deiner neuen Single sagen? (Manager: "Danke, eine Frage zur neuen Single!")

J: "No Eternity" ist die neue Single. Der Song sollte eigentlich gar nicht kommen. Wir wollten eigentlich etwas vom "Break On Through"-Album auskoppeln. Ich hatte meinen letzten Tag bei "Gute Zeiten..." und saß zu hause mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Einerseits traf ich den Entschluss ganz bewusst, andererseits habe ich mich aber auch sehr an das Team dort gewöhnt. Ich schrieb dann auf, was ich denke und dabei wurde mir bewusst, dass nichts für die Ewigkeit ist. Das tröstete mich. Man muss in gewissen Momenten einfach gewisse Dinge beenden, um neuen Dingen einen Platz zu geben und sich weiter zu entwickeln. Dieser Song ist praktisch eine Therapie für mich und meine Fans. Dort gibt es ganz klare Sätze an meine Fans, die sich auch gefragt haben "Wieso macht sie das? Wir verstehen das nicht." (> gibt einige Textstellen zum besten – der Verfasser). Ich war der Meinung, dass das einer Erklärung bedarf. Und dabei ist der Song entstanden. Holger (> Manager – der Verfasser) sagte "Den müssen wir veröffentlichen!", ich sagte "Nein!", er sagte "Doch!". Ja, und jetzt ist er draußen, am 8. März! Er bedeutet mir sehr, sehr viel!


Interviewbearbeitung: Stephan Glück

       Fotos:  G. Huesmann

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