Interview mit Landrat Hermann Bröring am 13.12.2005

Während der Nikolausaktion 2005 beteiligte sich die SV der Schule an der jährlichen Sammlung für unsere blinden Mitbürger. Der Schirmherr dieser Aktion im Emsland Landrat Hermann Bröring besuchte in der Vorweihnachtszeit unsere Schule, um den Gesamtbetrag höchstpersönlich abzuholen. Die optimale Gelegenheit, um mit ihm ein Interview zu führen. Die Fragen stellte Stephan Glück.
Es kommt relativ selten vor, dass der Landrat in unserer Schule vorbei schaut. Was ist der Grund Ihres Kommens?
Ich war lange nicht mehr in Lengerich. Ich bin zwar schon mit dem Fahrrad vorbeigefahren, den Neubau habe ich aber z.B. noch nicht gesehen. Ich bin gekommen auf Einladung der Schülervertretung, weil eine tolle Aktion gemacht worden ist, in der für unsere blinden Mitbürgerinnen und Mitbürger Geld gesammelt wurde. Das sind ja nach wie vor hoch benachteiligte Mitmenschen. Diese Aktion finde ich einfach toll!
Der Erlös der diesjährigen Nikolaus-Aktion unseres Schülerrates kommt der Blindenhilfe zu gute. Was genau geschieht mit dem Geld?
Wir sammeln einmal im Jahr für die Blinden, weil es trotz aller Unterstützung des Staates insbesondere immer noch Einzelfälle gibt, wo es keinen Haushalt gibt, der blindengerecht eingebaut ist. Auch gibt es bestimmte Einrichtungen, die nicht blindengerecht sind. Wir geben dieses Geld den Bedürftigen, damit sie privat zuhause besser zurecht kommen. Das ist der Hintergrund. Es gibt ja das so genannte Blindengeld. Das brauchen aber unsere blinden Mitbürgerinnen und Mitbürger, um im allgemeinen Alltag zurechtzukommen. Aber den Haushalt blindengerecht zu gestalten – dafür fehlt häufig das Geld.
Wie beurteilen Sie die Wichtigkeit einer aktiven Schülervertretung in den Schulen der heutigen Zeit?
Ich glaube, dass wir nur mit Schülervertretung Schulleben gestalten können. Wenn wir im Emsland das Thema "eigenverantwortliche Schule" voran bringen wollen, ist das ein gutes Instrumentarium, um zu fühlen und zu hören, was in der Schülerschaft los ist. Wir haben in allen Bereichen Mitbestimmungsregelungen. Da ist auch ein solches Sprachrohr wichtig. Gestaltung des Schullebens kann nicht nur von den Lehrern oder Sozialpädagogen kommen, sondern muss von den Schülern kommen. Sie müssen mit marschieren. Manchmal muss man eine Art Geleitzug mit aufbauen und Anregungen geben. Man muss dafür sorgen, dass die eine oder andere Idee tatsächlich zum Tragen kommt. Aber wichtig ist, dass die Kreativität in der Schülervertretung liegt. Und diese Sammlung ist Kreativität und gleichzeitig das Einüben von Sozialverhalten.
Ich sehe die Zukunft unserer Gesellschaft so: Vom Gedanken, dass der Staat alles regeln soll, können wir uns verabschieden. Sie ist erstens inhuman und zweitens nicht mehr finanzierbar. Ich glaube, wir werden wieder zum alten Motto im Sinne einer Nachbarschaftshilfe zurückkehren: "Ich muss mich kümmern um den, der neben mir wohnt, weil ich besser dran bin als er. Und es ist meine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass es ihm auch so oder halbwegs so gut geht." Diese platte Aussage, die früher zwischen den Generationen so selbstverständlich war, müssen wir wieder pflegen. Und solche Aktionen wie das Sammeln hier an der Schule mit dieser originellen Idee, das im Rahmen einer Nikolausveranstaltung zu machen, finde ich einfach prima.
Interviewbearbeitung: Stephan Glück